Firmengründung in der Türkei: Aktiengesellschaft oder Gesellschaft mit beschränkter Haftung?

Die Frage, ob man bei der Firmengründung in der Türkei die Rechtsform der Aktiengesellschaft oder die Gesellschaft mit beschränkter Haftung wählt, ist eine der ersten Entscheidungen, die bei einer Investition in der Türkei getroffen werden muss.

Wer sich entschlossen hat, in der Türkei eine eigene Präsenz zu gründen, steht vor der Frage, in welcher Form dies geschehen soll. Zur Auswahl steht unter anderem die Frage, ob ein Verbindungsbüro ( in der Türkeı İrtibat Ofisi, İrtibat Bürosu oder Liaison Office genannt)  ausreicht oder eine Gesellschaftsgründung bevorzugt wird (zum Thema Verbindungsbüro wird auf den Beitrag „Gesellschaftsgründung oder Verbindungsbüro? verwiesen).

Entscheidet man sich dann für die Gündung einer Gesellschaft in der Türkei, stellt sich in der Beratungspraxis die Frage, welche Gesellschaftsform für die Firmengründung gewählt werden soll, die GmbH nach türkischem Recht (Limited Şirketi/Ltd. Şti)) oder eine Aktiengesellschaft (Anonim Şirketi, A.Ş.)

Früher, vor dem Inkrafttreten des neuen türkischen Handelsgesetzbuchs, war die GmbH die bevorzugte Gesellschaftsform aufgrund des geringen Gründungskapitals und der einfachen Gründungsformalitäten.

Vereinfachungen bei der türkischen Aktiengesellschaft

Nach der Reform und dem In Kraft Treten des Gesetzes am 1.7.2012, welches zahlreiche Neuerungen vorgebracht hat, hat die AG enorme Attraktiviät gewonnen. Die neue Gesetzeslage hat die Gründung der Aktiengesellschaften an vielen Stellen vereinfacht. Außerdem sieht das neue türkische Gesellschaftsrecht steuerrechtliche Vorteile vor. Aus diesem Grunde werden auch viele  bereits existierende  türkische GmbHs auch in Aktiengesellschaften umgewandelt.

Vorteile der Aktiengesellschaft gegenüber der Limited Şirketi

Die Vorteile einer AG liegen insbesondere darin, dass sie nunmehr auch von einem einzelnen Gesellschafter gegründet werden kann und sich die  Übertragung der Anteile einfacher und kostengünstiger vollzieht, da die Anteilsübertragung bei AGs keine notarielle Beurkundung erfordert. Darüberhinaus profitiert sie von steuerrechtlichen Vorteilen.

Überdies ermöglicht die Gesellschaftsform AG die Fremdgeschäftsführung, sodass die Vorstandsmitglieder nicht notwendigerweise Anteilseigner sein müssen. Hingegen muss bei einer GmbH mindestens einer der Gesellschafter als Geschäftsführer bestellt werden.  Ein weiterer Vorteil ist das geringere Haftungsrisiko der Gesellschafter einer AG (sie hierzu auch den Beitrag „Die Gesellschafterhaftung bei Firmengründung und Anteilskauf in der Türkei„).

Letztendlich kommt es darauf an, was man genau machen möchte und wieviel man zu investieren bereit ist. Insbesondere muss abgewogen werden, ob man für die Vorteile der AG auch das notwendige höhere Kapital aufbringen möchte (50.000,00 TL im Gegensatz zu den für die Limited notwendigen 10.000 TL).

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